Entscheidungsfindung: Was Fredmund Malik zum Debattieren sagen würde

Wie trifft man wirklich gute, tragfähige Entscheidungen? Prof. Dr. Fredmund Malik, renommierter Manager und Autor, beschreibt in seinem Bestseller „Führen Leisten Leben – Wirksames Management für eine neue Welt“, wie ein wirksamer Entscheidungsprozess aussehen muss. Was kann die Debatte als Methode für die Entscheidungsfindung in Unternehmen leisten?

“Wirklich tragfähiger Konsens … entsteht nicht aus allgemeinem Harmoniestreben, sondern aus ausgetragenem Dissens. […] Guten Führungskräften ist es unheimlich, wenn schneller Konsens zustande kommt. […] Sie produzieren systematisch Dissens, um dann […] zu jenem Konsens zu kommen, der auch in der Umsetzungsphase einer Entscheidung noch trägt.” (S. 205)

Fredmund Malik

 

In sieben Schritten zur besten Entscheidung: Maliks Entscheidungsprozess

Malik beschreibt sieben Schritte, die zu einer guten Entscheidung führen. Wir zeigen Ihnen, welche Vorteile die Debatte als Methode für jeden einzelnen Schritt hat und wie Sie die Debatte nutzen können, um den Entscheidungsprozess zu unterstützen.

 

Schritt 1: Präzise Bestimmung des Problems

Malik: „Von einem falsch verstandenen Problem kann man nie zu einer richtigen Lösung kommen.“ Das Problem „muss herauspräpariert oder herausdestilliert werden, meistens aus einem Gestrüpp von Daten, Vermutungen, Behauptungen, Beobachtungen und vagen Vorstellungen.“ (S. 208)

In der Debatte muss die Pro-Seite erklären, was genau das Problem ist, das gelöst werden soll. Die Contra-Seite hingegen prüft, ob das Problem von der Pro-Seite präzise beschrieben wurde. Dadurch wird klar, ob ein Problem existiert und wie relevant es ist. Behauptungen haben in einer Debatte keinen Platz; die Gegenseite würde sie sofort als solche erkennen und entkräften. So müssen beide Seiten von vornherein gute Begründungen für ihre Aussagen finden.

 

Schritt 2: Spezifikation der Anforderungen, die die Entscheidung erfüllen muss

Malik: „Die Falle, in die man hier laufen kann, besteht darin, zu früh Kompromisse in die Entscheidung einzubauen.“ (S. 205)

In der Debatte gibt es keine Kompromisse, sondern nur Dafür oder Dagegen. Die Redner werden einer Seite zugelost und haben die Aufgabe, diese Seite mit vollen Einsatz ihrer rhetorischen Fähigkeiten zu vertreten.

 

Schritt 3: Herausarbeiten aller Alternativen

Malik: „Der zweite Fehler besteht darin, die Nullvariante, den Status quo, als Alternative auszuklammern.“ (S. 210)

In der Debatte ist die Contra-Seite dafür zuständig, den Status quo zu verteidigen. Die Redner der Pro-Seite versuchen zu zeigen, dass die aktuelle Situation schlecht ist und geändert werden muss – die Redner der Contra-Seite versuchen zu zeigen, dass die aktuelle Situation Vorteile hat und eine Änderung neue Probleme herbeiführen würde.

 

Schritt 4: Analyse der Risiken und Folgen für jede Alternative und die Festlegung der Grenzbedingungen

Malik: „Selbst am Ende noch so ausführlicher Analysen wird es noch immer Dinge geben, die man nicht kennt, und man wird sich mit Annahmen begnügen müssen.“ (S. 210)

In der Debatte werden Risiken und Folgen der Entscheidung von beiden Seiten ausführlich analysiert. Dabei fußen die Argumente sowohl auf Fakten als auch auf Annahmen. Beide Seiten versuchen, die Annahmen der Gegenseite möglichst kritisch zu hinterfragen. Dafür nutzen sie die Kunst der Rhetorik: An jeder Sache das Glauben erweckende zu erkennen (Aristoteles).

 

Schritte 1-4 in der Debatte: Die Themenanalse
Frage: Für die Regierung (Pro): Für die Opposition (Contra):
Gibt es ein Problem? Es gibt ein Problem. Das Problem, das die Regierung beschreibt, existiert (so) nicht oder liegt woanders.
Ist das Problem relevant? Das Problem ist relevant, d.h. es wichtig und dringend, das Problem zu lösen. Es gibt zwar ein Problem, aber das Problem ist nicht (kaum) relevant, so dass es weder wichtig noch dringend ist, das Problem zu lösen.
Löst der Antrag das Problem? Der Antrag löst das Problem. Es gibt zwar ein Problem und dieses Problem ist auch relevant, aber der Antrag der Regierung löst das Problem nicht.
Ist der Antrag verhältnismäßig? Der Antrag ist verhältnismäßig. Es gibt zwar ein relevantes Problem und der Antrag würde dieses Problem auch lösen, aber

  • die Mittel sind nicht verhältnismäßig.
  • der Antrag hat negative Konsequenzen,
  • der Antrag führt zu mehr Schaden als Nutzen.

 

Schritt 5: Entschluss selbst

Malik: „Man trifft diesen Entschluss […], weil man das Problem, die Spezifikationen, die Alternativen und Folgen gründlich und gewissenhaft durchdacht hat. […] Ich rate meinen Klienten, nach Abschluss aller Analysen sich selbst die Gelegenheit zu geben, auf einen speziellen und ganz billigen Berater zu hören – auf ihre innere Stimme.“ (S. 214)

In der Debatte haben beide Seiten nur eine Aufgabe: Das Publikum zu überzeugen. Während das Publikum die Reden der Pro- und Contraseite folgt, prüft jeder einzelne Zuhörer auch seine innere Einstellung zum Thema und gleicht diese mit den Fakten und Argumenten der Debatte ab. Erst nachdem er die gesamte Debatte gehört hat, trifft er eine Entscheidung.

 

Schritt 6: Einbau der Realisierung in die Entscheidung

Malik: „Eine Entscheidung zu treffen mag schwierig sein; sie zu realisieren ist aber zehnmal so schwierig.“ (S. 216)

In der Debatte wird der Grundstein gelegt für eine gute Entscheidung: Damit eine Entscheidung realisiert werden kann, müssen alle, die daran beteiligt sind, die Gründe und Ziele der Entscheidung nachvollziehen können. Die Debatte macht die Entscheidungsfindung nachvollziehbar und trägt damit entscheidend zur Realisierung bei.

 

Schritt 7: Etablierung von Feedback: Follow-up und Follow-through

Malik: „Wirksame Führungskräfte behandeln Entscheidungen, die sie getroffen haben, wie ein Foxterrier seine Beute.“ (S. 218)

In der Debatte werden mögliche Fallstricke und Gefahren eines Vorschlags ausgiebig geprüft. Entscheidungen, die darauf basieren, werden von allen Beteiligten leichter mitgetragen.

 

Warum sollten Ihre Mitarbeiter eine Debatte führen?

Malik: „Partizipation […] ist der einzige Weg, möglichst viel Wissen, das in einer Organisation vorhanden ist, in eine Entscheidung einfließen zu lassen. Eine Entscheidung kann ja kaum besser sein als das Wissen, das bei ihrem Zustandekommen genutzt wurde.“ (S. 219)

In der Debatte treten zwei Teams – Pro und Contra – unter Einhaltung fairer Regeln gegen einander an. Jedes Team bringt sein Wissen in die Debatte ein – und das unabhängig von der persönlichen Meinung. Innerhalb kurzer Zeit wird dieses Wissen allen Zuhörern durch die Reden in der Debatte zugänglich gemacht: Die ideale Grundlage für eine gute Entscheidungsfindung.

Die Seitenangaben beziehen sich auf: Malik, Fredmund: Führen Leisten Leben. Wirksames Management für eine neue Welt. Frankfurt am Main, 2014.

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